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Präsentation

Die Geschichte des Hôtel Matignon

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1670 entscheidet Ludwig XIV., das "Hôtel des Invalides" bauen zu lassen. Zunächst beschließt er die Neugestaltung des ehemaligen "Chemin du Bois de la Garenne", der vor kurzem in "rue de Varenne" umbenannt wurde. Diese Straße verbindet damals Saint Germain-des-Prés, am westlichen Ende von Paris gelegen, mit dem sumpfigen Gelände, das für den Bau ausgewählt wird. Diese exklusive Vorstadt erlebt nunmehr einen neuen Aufschwung; die Nähe von Versailles zieht eine Aristokratie an, die nur für und vom Hofe lebt.

Am 30. September 1717 kauft hier Charles-Louis de Montmorency Luxembourg, Prinz von Tingry und Maréchal de France, für 91 000 Pfund ein Gelände von 2869 Klaftern (ungefähr 3 ha), das an die Rue de Varenne angrenzt. Als leidenschaftlicher Bewunderer von Gartenanlagen will er hier ein Landgut anzulegen. 1722 beauftragt der Prinz einen wenig bekannten Architekten, Jean Courtonne, mit der Erstellung der Pläne und dem Bau des herrschaftlichen Hauses ("Hôtel"). Sein zukünftiger Erfolg öffnet ihm die Türen zur Akademie der Architektur, in der er 1725 eine viel beachtete "Abhandlung der Perspektiven" verfaßt. Aber die hohen Kosten der Bauarbeiten zwingen den Prinzen von Tingy das Anwesen zu verkaufen. Daraufhin erwirbt der Graf von Matignon das 1725 fertiggestellte Hôtel für seinen Sohn, den Herzog von Valentinois.

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Courtonne hatte großen Sinn für Originalität gezeigt. Das auf eine breite Terrasse aufgesetzte Hauptgebäude mit einem von einer Balustrade gekrönten Stockwerk, besitzt eine doppelte Flucht von Räumen. Man erreicht diese, von der Strasse kommend, durch ein mit Säulen geschmücktes Portal, das einen Blick auf den Ehrenhof bietet. Der Hof ist von zwei Flügeln mit niedrigen Gesindegebäuden umgeben und auf seiner rechten Seite liegen die Reitställe und Küchen. Drei Vorsprünge bringen Bewegung in die Fassade. Hinter dem rechten und dem linken Vorsprung sind die Treppen verborgen während in der Mitte ein Pavillon die Pracht eines herrlichen Balkons und Skulpturen mit Löwenmotiven entfaltet. Zwei architektonische Besonderheiten verlangen die Bewunderung des Besuchers: die Flachkuppel der Vorhalle und - rechts - der erste Raum, der schon bei Erstellung der Pläne als Speisesaal vorgesehen war. Auf der Seite zum Garten umschliesst die Fassade die Gebäude über ihre ganze Breite und verdeckt somit den Ehrenhof und den Wirtschaftshof. Obwohl dadurch der natürliche Grundriß des Hôtel leicht verzerrt ist, wird der mittlere dreiteilige Pavillon freigelassen, der von einem überdachten Giebel mit dem Wappen der Besitzer gekrönt ist.

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Was die Inneneinrichtungen anbelangt, so machten diese aus dem Hôtel Matignon eines der elegantesten und meist besuchten Patrizierhäuser in ganz Paris. Die Holztäfelungen sind das Werk von Michel Lange, der vorher die Verzierungen des Großen Salons des Hôtel d’Evreux (heute Salon der Botschafter des Elysée-Palastes) durchgeführt hatte. Das Gesims und die Stuckarbeiten sind Jean-Martin Pelletier und Jean Herpin zu verdanken. Damals erlaubten die Besitzer jeder "ordentlich gekleideten" Person, diese Herrlichkeiten in ihrer Abwesenheit zu besichtigen.

1731 tritt die Gattin von Jacques de Matignon, Tochter von Antoine I. Grimaldi, die Nachfolge ihres Vaters als Oberhaupt des Fürstentums Monaco an. 1734 besteigt ihr Sohn, Honoré III., den Thron. Obwohl er revolutionären Ideen gegenüber aufgeschlossen war, wurde er am 20. September 1793 verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Bei seiner Freilassung im folgenden Jahr ist er bankrott und das Anwesen wird beschlagnahmt. Seine Söhne erhalten es zwar zurück, müssen es jedoch 1802 wieder verkaufen.

Es wird von Anne Eléonore Franchi gekauft. Sie war Tänzerin von Beruf und wurde zunächst beim Karnaval von Venedig von Herzog Karl-Eugen von Württenberg bemerkt, dem sie drei Kinder schenkte. Nach dem Tod des Herzogs und wieder als Tänzerin tätig, war sie in Wien die Geliebte von Josef II., ein Grund warum Kaiserin Maria-Theresia, die sie nicht mochte, sie aus Österreich verjagte. Nach Indien verbannt, kehrte sie mit dem schottischen Bankier Quentin Crawford zurück. Beide richteten das Hôtel neu ein, welches wieder ein Ort der Feste für die Anhänger des Ancien Régime wurde und gleichzeitig ein Herd der Opposition. Sehr verbunden mit Joséphine de Beauharnais, wurden die Kritiken des Paares an Napoleon nach seiner Scheidung immer lauter.

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1808 traten sie das Hôtel Matignon an eine der berühmtesten Persönlichkeiten der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts ab: an de Talleyrand, Prinz von Bénevent und "Vize-Grand Electeur". Viermal in der Woche gab er in seinem Hôtel de Matignon für sechsunddreißig Gäste Abendessen, die in den eigenen Küchen von dem berühmten Boucher zubereitet wurden. Als kluger Diplomat gab er zahlreiche Bälle zu Ehren der kaiserlichen Familie. 1811 forderte Napoleon ihn auf, der Stadt Hamburg die vier Millionen zurückzuerstatten, die sie bezahlt hatte, um nicht dem neuen französischen Département der "Elbmündung" angeschlossen zu werden. Nachdem ihm dies nicht gelungen war, hatte er es nicht für notwentig gehalten, den Betrag zurückzuerstatten. Er mußte das Hôtel veräußern; der Kaiser ließ es für 1 280 000 Franken kaufen... aber Talleyrand zahlte der Stadt Hamburg das Geld nie zurück.

1815 tauschte Ludwig XVIII. das Hôtel Matignon gegen den Elysée-Palast aus, der Louise Bathilde von Orléans, Schwester von Philippe-Egalité und Gattin des Herzogs von Bourbon, gehörte. Letztere richtete auf dem Anwesen eine Gemeinschaft von Ordensschwestern ein mit dem Auftrag, für die Seelen der Opfer der Revolution zu beten. Ihre Nichte, die das Anwesen 1822 erbte, siedelte diese Gemeinschaft in die Rue de Picpus um, um das Hôtel zu vermieten.


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Es wurde dann von einer äußerst ungewöhnlichen Person bewohnt: dem Oberst Thorn. Der aus den Vereinigten Staaten stammende, steinreiche, Oberst gab für die Neudekoration eine Million damaliger Franc aus und gab eine Unmenge von Empfängen. Seine Prunkhaftigkeit gestattete es ihm, seine Töchter mit den besten Namen Frankreichs zu verheiraten. Sein Sohn heiratete die Schwester von Madame de Metternich. Aber die politischen Ereignisse von 1848 zwangen ihn, nach New York zurückzukehren.

Daraufhin erwog man, das Hôtel Matigon dem Chef der Exekutive der neuen Republik zur Verfügung zu stellen. Doch während sich auch der General Cavaignac bis Dezember 1848 dort niederließ, zog der Prinz und Präsident Napoleon III. den Elysée-Palast vor.


Kurz danach wurde das Hôtel an den Herzog von Galliera, Raffaele de Ferrari, einem Adeligen aus Genua verkauft, der mit Marie de Brignole Sale, Urnichte der Prinzessin von Monaco, verheiratet war. Beide besaßen eines der größten Vermögen der damaligen Zeit; man sagt, es gehörte ihnen die Hälfte von Genua. Raffaele war der Gründer des "Crédit Immobilier de France" und finanzierte in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts riesige Bauprojekte: den Bau von Eisenbahnen in Österreich, Lateinamerika, Portugal, Frankreich (die Strecke Paris-Lyon-Marseille), des Tunnels von Fréjus, den des Suezkanals, die Bauarbeiten des Baron Haussman in Paris ... Drei Jahre nach dem Sturz von Napoleon III. (1870) bot die Herzogin dem Grafen von Paris an, in der Rue de Varenne zu residieren. So bewohnte dieser das Erdgeschoß des Hôtel Matignon. Am 14. Mai 1886 stellte es den Rahmen für einen der prunkvollsten Empfänge des Jahrhunderts dar. Dreitausend Gäste, der gesamte französische Adel, das diplomatische Korps und zahlreiche Politiker drängten sich hier zur Feier der Vermählung der Prinzessin Amélie, Tochter des Grafen, mit Carlos, dem Thronerben Portugals. Bis heute wird erzählt, daß der Präsident, der im Wald spazierengehen wollte, nicht aus Paris herauskommen konnte, so groß war der Andrang. Zweifelsohne erschreckt von einer solchen Ansammlung von Monarchisten in der Hauptstadt, ordnete der Präsident des Rates, de Freycinet, am folgenden Tage die Abstimmung über ein Exilgesetz für die Prätendenten des französischen Throns an. Acht Tag später war das Gesetz verabschiedet!

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Enttäuscht verließ die Herzogin von Galliera Paris und gab ihr Hôtel an den Kaiser der österreich-ungarischen Donaumonarchie ab, die daraus den Sitz ihrer Botschaft in Frankreich machte. Im Ersten Weltkrieg standen sich allerdings die beiden Länder als Gegner gegenüber und das 1919 beschlagnahmte Hôtel Matignon wurde zum "Feindesgut" erklärt. Nach langen Verhandlungen kam es am 21. November 1922 in den Besitz Frankreichs zurück.


Die Hotel sollte ein Museum werden; es sollte aufgeteilt und Wohnhäuser sollten gebautwerden. Gaston Doumergue, der von diesen Plänen Wind bekommen hatte, ließ es unter Denkmalschutz stellen und beschloß, die Präsidenz des Rates hier unterzubringen. Nachdem der Architekt Bigot die notwendigen Umgestaltungen vorgenommen hatte, zog l935 Pierre Etienne Flandin als erster hier ein. Ein Jahr später wurden hier zwischen Léon Blum und den Streikenden des Frühjahrs 1936 die "Verträge von Matignon" unterschrieben, welche die 40-Stunden-Woche und den bezahlten Urlaub einführten.


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Während des Zweiten Weltkriegs zieht die Regierung nach Vichy; aber am 21. August 1944 besetzen der Widerständler Yvon Morandat und seine Gehilfin Claire das "Hôtel der Regierung", nämlich das Hôtel Matignon. In ihrer Überstürzung verwechselten sie übrigens die Avenue Matignon am rechten Ufer der Seine mit dem Hôtel Matignon am linken Ufer. Am 25. August rief hier General de Gaulle den "Einstweiligen Rat der Republik" zusammen. Sämtliche Präsidenten des Rats folgten seinem Vorbild und bei seiner Rückkehr 1958, nachdem der Wechsel der Republik für Matignon nur eine Änderung des Titels seines Bewohners bedeutete, wurde aus dem Präsidenten des Rats der Premierminister.


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